Tulpenmanie


Die Vorgeschichte

 

Im 17. Jahrhundert befanden sich die noch jungen Niederlande in ihrer sogenannten goldenen Epoche. Niederländische Händler befuhren die ganze Welt und brachten dem Land Einfluss und Reichtum.
Die Niederlande waren vergleichsweise liberal. Kunst und Wissenschaft florierten.
Doch die Niederlande sollten im ersten Drittel dieses Jahrhunderts zugleich von der ersten dokumentierten Finanzkrise der Welt erschüttert werden.
Das Objekt dieser Finanzkrise sollte eine hübsche, kleine Blume sein. Die Tulpe.
In die Niederlande kam sie über den Botaniker Carolus Clusius (Charles de`l Ecluse). Dieser diente am Hofe Maximilians II. (1527- 1576) Kaiser des Heiligen Römischen Reiches und

war für die Gärten des Kaisers in Wien zuständig.
1573 erhielt er vom kaiserlichen Gesandten in Istanbul, Angerius Busbequius (Ogier Ghislain de Bubescq), einige Tulpenzwiebeln und legte mit ihnen eine gärtnerische Kultur an.
Jener Busbequius soll der Tulpe zudem ihren Namen gegeben haben. Er soll sie „Tulipan“ genannt haben, da sie ihn an einen gewickelten türkischen Turban erinnert haben soll.
Bis zu jenem Austausch zwischen Bubesquius und Carolus Clusius war die Tulpe in Mittel- und Westeuropa unbekannt gewesen. Die Türken jedoch hatten ihre Schönheit bereits erkannt und auf höchster Ebene mit der Zucht begonnen. Und obwohl die türkischen Herrscher das Geheimnis der Tulpenzucht bewahren wollten, gelangte es doch über Umwege nach Europa und in die Hände Carolus Clusius.
Nach dem Tod Maximilians II. kehrte dieser in die Niederlande zurück. Er ging an die medizinische Fakultät der niederländischen Universität in Leiden und lehrte dort als Professor für Botanik.
Noch heute ist Carolus Clusius an dieser Universität präsent, weil er den heute berühmten Hortus Botanicus anlegte. Einer der ältesten botanischen Gärten der Welt und der älteste in den Niederlanden.
Dort züchtete er die Tulpe weiter und schaffte es erfolgreich sie an das kältere Klima in den Niederlanden zu gewöhnen.
Die Tulpe war aufgrund ihrer botanischen Eigenschaften sehr für eine gezielte Zucht geeignet. Die Blüten wachsen aus Zwiebeln hervor und können sich sowohl durch Samen, als auch durch Ableger fortpflanzen. Die Samen brauchen etwa sieben bis zwölf Jahre, um eine blühende Zwiebel zu bilden. Blüht ein Ableger auf, vergeht die Knolle, bildet aber an ihrer Stelle eine geklonte neue Zwiebel im Boden. Die jährliche Zuwachsrate durch Ableger betrug im 17. Jahrhundert zwischen 100 und 150 Prozent.
Die Spekulation konnte aus natürlichen Ursachen also nur nach und nach zuschlagen.
Zwischen Juni und September werden die Tulpenzwiebeln aus dem Boden genommen und können nur dann physisch gehandelt werden.
Um dieser Beschränkung zu umgehen, entwickelten die findigen niederländischen Händler ein System, das noch heute seine Anwendung findet: Terminkontrakte.
So konnten das ganze Jahr lang Tulpen gehandelt werden, die erst im Herbst dem Boden entnommen würden.
Einige gingen sogar so weit, Tulpen zu handeln, die noch gar nicht im Boden waren. Sie wurden als virtuelle Ware ge- und verkauft.
Diese Short Sellings waren zwar verboten, wurden jedoch strafrechtlich nicht verfolgt und fanden daher trotzdem statt.

 

SHORT SELLINGS (Leerverkäufe) in der Moderne

Diskussionsfrage:

Leerverkäufe werden oftmals als besonders krisenfördernd beschrieben. Es werden immer
wieder Stimmen laut, diese zu verbieten, während andere sagen, Leerverkäufe generell zu verbieten
wäre, wie alle Autofahrer zu bestrafen, weil einer zu schnell fährt. Wenn man sich vor Augen
führt, dass Leerverkäufe kein neues Phänomen sind, kann man dann davon ausgehen,
dass sie vielleicht das Ergebnis eines Systemfehlers in der freien Marktwirtschaft sind? Oder
sind sie ein legitimes Mittel, das ledigilich beschränkt werden muss? Oder aber sind sie
funktionierende FInanzmechanismen, die wie alle Finanzprodukte ein natürliches Risiko
mit sich bringen, aber keiner Beschränkung bedürfen?

 

 

Die Tulpe breitete sich von den Niederlanden über ganz Europa aus. Es kam zu zahlreichen
verschiedenen Züchtungen, die in verschiedenfarbige blühende Gruppen eingeteilt wurden.
Aber nirgendwo sonst in Europa trug das Verhältnis zu Tulpen solche "Blüte" wie in den Niederlanden. Der Historiker Mike Dash schreibt den Erfolg der Tulpe in den Niederlanden ihrer distiktiven Funktion zu. In den Niederlanden seien reiche von gewöhnlichen Bürgern oftmals kaum zu unterscheiden  gewesen. Selbst die reichen trugen oft nur strenge, schmucklose Gewänder, große breitkrempige Hüte, enge Hosen und schwere Jacklen. Darunter ein schwarzes 
Wams mit weißen Spitzenrüschen.

 

 

Diskussionsfrage:

Die Finanzkrise, die uns auch heute noch beschäftigt, nahm ihren Anfang in der Immobilienkrise der USA. Die Federal Reserve hatte jahrelang über niedrige Kredite auch nicht kreditwürdigen Personen die Möglichkeit gegeben ein Haus zu bauen. Es kam zu einem wahren Bauboom, in dessen Folge sich eine Immobilienblase bildete, die zum Entstehen der Finanzkrise beitrug.
Ist das Kreditwesen das Problem? Sollte der Staat mehr Bauprojekte direkt angehen, anstatt das Wohnproblem über Kreditvergabe zu lösen?
Ist "Wohnen" überhaupt ein Grundrecht? Und wie sieht es mit "wohnen im eigenen Haus" aus?


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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